Pilzvergiftungen und Umwelteinflüsse

Pilzewanderer 21. Januar 2008 - 23:00
Wenn nach einer Pilzmahlzeit innerhalb von 30 Minuten und 15 Stunden Beschwerden auftreten, besteht dringender Verdacht auf eine Pilzvergiftung. Es sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Genauso wichtig ist die Bestimmung der kritischen Pilzart! Hierfür können z.B. Reste der zubereiteten Mahlzeit mitgenommen werden oder Putzreste, nicht verwendetet Pilzteile. Bei besonders giftigen Pilzen können wenige Stunden über Leben und Tod entscheiden. Meistens ist jedoch die Art der Vergiftung harmlos.

Die Latenzzeit (Zeitraum bis Symptome seit dem Verzehr auftreten) ist wichtiges Indiz zur Bestimmung der Vergiftungsart. Im Folgenden werden alle wichtigen Giftkategorien kurz Dargestellt.

 

Tödliche Wirkung : Zerstörung innerer Organe

 

Giftart: Orellanine

 

Diese Giftart findet sich in folgenden Pilzen:

 

·

Orangefuchsiger Schleierling

 

·

Spitzbuckliger Orangeschleierling

 

·

Spitzbuckliger Orangeschleierling

 

·

Schöngelber Klumpfuß

 

 

Die Latenzzeit beträgt 2 – 17 Tage und ist daher besonders gefährlich, da erst viel zu spät erkannt wird, dass eine Vergiftung vorliegt. Nach 2 – 3 Tagen setzt Übelkeit, Erbrechen und Durchfall ein. Starke Bauchkrämpfe und in schweren Fällen Leberschwellungen. Leberzellschädigung folgt und führt innerhalb von 4 – 16 Tagen zum Tod durch Nierenversagen.

 

 

Giftart: Amatoxine, Phallotoxine, Virotoxine

 

Hier handelt es sich um die Pilze:

 

·

Grüner und Weißer Knollenblätterpilz

 

·

Kegelhütiger Knollenblätterpilz

 

·

Fleischrötlicher Giftschirmling

 

·

Nadelholz – Häubling

 

 

Nach 4 -12 Stunden brechen bereits die Symptome aus. In der ersten Phase kommt es zu Magen- und Darmbeschwerden, Brechdurchfall, Koliken und dann eine scheinbare Besserung. In der zweiten Phase werden Herzmuskel, Leber und Nieren angegriffen. Die Leberzellenschädigung schreitet fort. Es tritt Tod durch Herzversagen ein.

 

Nervengifte : nur in seltenen Fällen tödlich

 

 

Gifte: Ibotensäure, Muszimol, Muskazon, Muskarin

 

Der Pantherpilz und der Fliegenpilz beinhalten diese Gifte. Nach bereits 30 Minuten treten die ersten Beschwerden ein. Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Speichelfluß, Schweißausbrüche, Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Angst, Sehstörungen, Delirium, Halluzinationen, Rauschzustände, Tobsuchtsanfälle, Muskelkrämpfe. Selten kommt es zum Koma, Atemlähmung oder Kreislaufversagen.

Gifte: Muskarin

 

Der Ziegelrote Rißpilz und andere Rißpilze, der Rinnigbereifte Trichterling und andere weiße Trichterlinge und der Rettich – Helmling beinhalten diese Gifte.

 

Nach 15 Minuten bis max. 1 Stunde treten die ersten Symptome auf. Die Symptome sind vergleichbar mit denen des Pantherpilzes oder Fliegenpilz, jedoch schwächer als bei o. g. Exemplaren.

 

Wirkung auf Magen- und Darmtrakt

 

 

Gifte: Unterschiedliche, oft noch unbekannte Stoffe

 

Der Karbol – Champignon und Verwandte, Tiger – Trichterling, Riesen-

 

Rötling, Tiger-Ritterling, Riesen-Rötling, Niedergedrückter Rötling, Satans-Röhrling, Schönfußrährling, Birkenreizker, Speitäubling, Lila Dickfuß, Kartoffelbovist und viele andere Pilze besitzen diese Wirkung. Nach bereits 30 Minuten kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis hin zu Schwindelgefühlen und Ohnmachtsanfällen. Die Beschwerden klingen jedoch bald ab und hinterlassen keine bleibenden Schäden.

 

 

 

Giftwirkung in Kombination mit Alkohol

 


Gifte: Coprin (und andere Gifte mit vergleichbarerer Wirkung)

 

Die Wirkung besitzen der Graue Tintling, Keulenfuß-Trichterling und der Netzstieliger Hexenröhrling. Nach einer Latenzzeit von etwa 4 Stunden kommt es zu Hitzegefühl, Rötungen im Gesicht und Körper, Schwindelgefühl, Pulsbeschleunigung, Sehstörungen, selten auch Übelkeit und Erbrechen. Die Erscheinungen klingen bald wieder ab, können jedoch beim erneuten Genuss von Alkohol, innerhalb von 3 Tagen wiederkommen.

 


Weitere Giftpilze und Giftwirkungen

 


Weitere Pilzarten, die ein Pilzsammler kennen sollte, die jedoch hier nicht eindeutig einzuordnen sind. Zu ihnen gehören:

 

·

Kahle Krempling

 

o

Unbekannte Gifte die zum Tode führen

 

·

Frühjahrs-Lorchel

 

o

Ohne Vorbehandlung kann die Frühjahrslorchel im Einzelfall zum Tode führen.

 

 

Umweltgifte

 

Die Pilzmyzelien nehmen nicht nur Wasser auf, sondern auch Schadstoffe wie z.B. Schwermetalle: Cadmium, Blei und Quecksilber sowie radioaktives Cäsium. Unklar ist bisher die Wirkung des Langzeitverzehrs auf den menschlichen Körper. Klar ist, das beim Putzen, waschen, zerkleinern und erhitzen viele dieser Giftstoffe ausgeschwemmt werden.

Bildmaterial: © chas53 - Fotolia.com

Bild des Benutzers Pilzewanderer
About the author
Pilzewanderer
//* * * */